Operation Minerva verspricht Hilfe für Opfer von Deepfakes und Rachepornos

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Ein kommerziell agierendes Nebenprojekt des Anti-Piracy-Unternehmens Takedown Piracy verspricht Opfern von Rachepornos und unfreiwilligen Auftritten in sogenannten Deepfakes schnelle Hilfe. Mit modernsten Technologien sollen Fotos und Videos mit einem digitalen Fingerabdruck versehen werden können, der die Veröffentlichung fragwürdiger Materialien automatisiert aufspürt, abmahnt und juristisch verwertbar dokumentiert.

Operation Minerva ist ein Tochterunternehmen der bei Nutzern und Filesharern weithin ungeliebten Organisation Takedown Piracy, die sich unter anderem im Kampf gegen raubkopierte Inhalte profiliert hat. Nun will die Organisation auch Opfern von Rachepornos und Deepfakes helfen. Laut Angaben des Unternehmens, kann jeder die Dienste von Operation Minerva in Anspruch nehmen.

Revenge Porn weitestgehend aus Mainstream-Angeboten verschwunden

Rachepornos sind ein in vielen Staaten inzwischen unter Strafe stehendes Delikt. Dabei veröffentlichen Ex-Geliebte und Ex-Partner erotische oder sexuelle Bilder des ehemaligen Partners ohne dessen Wissen und Zustimmung im Internet, um diesen zu erniedrigen und bisweilen absichtlich sozial bloßzustellen. Durch die rasche Verbreitung von erotischen Inhalten sind einmal veröffentlichte Bilder und Videos kaum wieder aus dem Netz zu tilgen. Mit AreYouUp, MyEx.com und dem jahrelang im Darknet agierenden Pinkmeth hatten sich zudem Portale gebildet, in denen solche Bilder und Videos mit dem expliziten Ziel geteilt und veröffentlicht wurden, dem meist unwissenden und immer unwilligen Opfer massiv zu schaden. Teilweise wurden Shitstorms und Mailaktionen koordiniert, die gezielt auf das soziale und berufliche Umfeld der Opfer ausgerichtet waren. Alle genannten Portale sind inzwischen geschlossen, teils durch FBI-Ermittlungen, kriminellen und zivilrechtlichen Strafverfahren. Die großen Bilddatenbanken und Suchmaschinen haben längst reagiert. Google und Bing verbannen Rachepornos ebenso wie die großen Porno-Anbieter wie xHamster, PornHub und Imagefap.

Rechtliche Grauzone Deepfakes: Braucht es neue Gesetze?

Der in den letzten zwei Jahren aufkommende Trend zu Deepfakes hingegen ist zumindest rechtlich noch nicht klar eingefangen worden. Die Möglichkeit, die Gesichter von Menschen in Pornofilme einzubauen und so teils erschreckend echt erscheinende Pornoszenen mit unwissenden, unwilligen und unbeteiligten Menschen zu erschaffen, stellt das Netz und insbesondere über Nutzer-Uploads funktionierende Portale vor neue Probleme. Zwar sind bisher vor allem Prominente und Hollywoodstars Opfer der noch in den Kinderschuhen steckenden Technologie, doch ist die Gefahr relativ offensichtlich, dass jedermann jeden beliebigen Menschen in Pornoszenen auftreten lassen könnte. Die großen Portale haben auch hier reagiert, aber die Gesetzeslage ist hier weitaus schwieriger. Zwar wird das Persönlichkeitsrecht verletzt, doch in vielen Ländern gilt nun mal auch das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Kunst. Inwiefern sich Deepfake-Pornografie auf Kunstfreiheit und Fair Use berufen kann, dürfte zwar fraglich sein, dennoch besteht Bedarf für Klarheit durch den Gesetzgeber.

Operation Minerva jedenfalls möchte nicht länger warten, schließlich sind viele Geschädigte sofort und umfassend betroffen. Von Rufschädigung über den Verlust des Arbeitsplatzes bis hin zu psychischen und sozialen Folgeschäden haben Opfer von Deepfakes mit umfangreichen und teils massiven Folgen für ihr Leben zu rechnen.

Blume am Knopfloch? Der weiße Ritter ist aggressiver Branchenverband

Nate Glass ist CEO von Takedown Piracy, einem Unternehmen, dem positive Publicity sicher gut tun kann, schließlich werden Millionen von Nutzer für illegale Raubkopien von medialen Inhalten teils sehr aggressiv zivilrechtlich verfolgt. Da kann ein gesellschaftspolitisch relevantes Projekt wie die Bekämpfung von Rachepornografie nur hilfreich sein. Und so versteht Glass Operation Minerva auch im Wesentlichen als gute Tat: »Wir freuen uns, Operation Minerva vorstellen zu können. Es ist ein dringend benötigter Dienst, der zur Bekämpfung des wachsenden Übels von Deepfakes und Rachepornos geschaffen wurde. Die ausgefeilten Fähigkeiten von Computersoftware und Bildbearbeitungsprogrammen hat jenen mit kriminellen Absichten ein Vehikel zur Verfügung gestellt, Lügen und Verleumdungen zu verbreiten. Operation Minerva ist dafür geschaffen worden, gefälschte Videos und unrechtmäßig verbreitete Inhalte sofort aufzufinden und von der weiteren Verbreitung zu bewahren.«

Für Glass besteht nach wie vor die Notwendigkeit, dass der Gesetzgeber handelt. Denn bisher kann seine Organisation Deepfakes nur aufgrund der Urheberrechtsverletzung bekämpfen. Die Veränderung und in andere Kontexte eingebettete Verwendung des Gesichts einer Person ist an sich bisher rechtlich zu verfolgen. »Teil des Problems ist es, dass man Deepfake Videos nicht aufgrund der reinen Nutzung des Gesichts einer anderen Person angreifen kann. Das ist nicht notwendigerweise illegal. Da wir aber auch die Copyright-Inhaber der Inhalte vertreten, die von den Erstellern der Deepfake-Inhalte verwendet werden, können wir diese Kriminellen aufgrund von Urheberrechtsverletzungen anklagen. Somit ist Operation Minerva ideal für Prominente, Profi-Sportler, Musiker und Personen des öffentlichen Lebens.«

Digitale Wasserzeichen helfen Opfern von Rachepornos und Deepfakes

Ein einmal mit einem digitalen Fingerabdruck versehener Inhalt kann durch Operation Minerva auf über 80 Tubeseiten und kostenlosen Pornoseiten verfolgt und überwacht werden. Eine einzige Meldung des Inhalts reicht, um ihn auf all diesen Angeboten verfolgbar und löschbar zu machen.

Auch Adam Dodge, Mitarbeiter von Laura’s House lobt die Initiative gegen Deepfakes und Revenge Porn: »Das ist eine Gelegenheit für Opfer von nicht-genehmigter Pornografie und Deepfake-Missbrauch intelligente Tools zu nutzen, um sich selbst zu schützen, ein erheblicher Vorteil, der bisher für unsere Kunden nicht verfügbar war.«

Weitere Information zu dem Projekt Operation Minerva finden Sie hier.

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