Diese Frau schreibt Untertitel für Blinde – für Pornhub

Porno für Blinde

Das Magazin Slate hat Pornhubs Beauftragte für das Erstellen von Untertitel für Blinde interviewt. Heraus kam ein tiefer Einblick in die Schwierigkeiten pornografische Bilder in Worte zu fassen.

Kathryn Simpson ist exzellent in ihrem Job. Sie ist eine der weltweit wohl recht selten anzutreffenden Experten für die Untertitelung von Pornofilmen für Blinde. Marissa Martinelli vom Magazin Slate traf die Kunsthistorikerin für ein Interview.

Marissa Martinelli: Wie sind Sie zu dem Projekt von Pornhub gestoßen? Haben Sie sich auf eine Stellenanzeige beworben? Pornobeschreiberin gesucht?

Kathryn Simpson: Pornhub hat mich kontaktiert. Ich hatte gerade meine Doktorarbeit abgeschlossen und begonnen, als Freelancerin zu arbeiten. Ich hatte eine recht erfolgreiche wissenschaftliche Karriere, aber das war nicht das Leben, das ich wollte, also versuchte ich mich aufs Schreiben zu konzentrieren.

Hatten Sie zuvor bereits Erfahrung mit der Audiobeschreibung?

Wie haben sich diese Fähigkeiten in der Beschreibung von Pornos niedergeschlagen? Ich könnte mir vorstellen, dass es Ihnen dadurch leicht fiel, über Anatomie zu sprechen.

In meiner Doktorarbeit habe ich mich eigentlich mit Hässlichkeit und Selbstdarstellung befasst, also mit einer anderen Reihe von Themen, aber es ging durchaus um Körperlichkeit. Meistens half mir der kunsthistorische Hintergrund bei der Wahl, was ich sagen und welche Aspekte ich beschreiben sollte. Natürlich kann man nicht alles beschreiben, also erfordert es eine Art von Auswahl. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Balance zwischen Ein- und Ausschluss zu finden und die richtige Stimmung zu schaffen.

Sie haben Beschreibungen für insgesamt 35 Videos für das Projekt geschrieben. Wie viel Auswahl hatten Sie bei den Videos, die Sie beschreiben würden?

Für die 25 Videos, die ich im Mai 2016 geschrieben habe, habe ich eine Liste von Pornhub bekommen und aus diesen ausgewählt. Viele meiner Entscheidungen basierten auf meinem Interesse, Videos in den Kategorien LGBTQ und »für Frauen« zu übernehmen. Im Juli habe ich noch ein paar weitere Videos für sie gemacht, und bei der zweiten Runde habe ich, glaube ich, einfach eine Auswahl von Titeln erhalten.

Für mich ging es darum, mich in die Lage des Zuschauers zu versetzen und herauszufinden, ob ich zu dieser Stimmung eine Sprache finden kann, ob ich zu dem etwas sagen kann, was sexy ist. Natürlich sprachen mich einige der Videos mehr an als andere. Aber ich war ziemlich glücklich, all das zu behandeln, was sie mir lieferten.

Gab Pornhub irgendwelche Richtlinien für die Beschreibung vor?

Es war eigentlich nicht das erste Mal, dass Pornos für Blinde versucht wurden, aber sie sagten mir, das Problem bei früheren Versuchen sei die Art und Weise, wie man an sie herangegangen sei, die viel zu klinisch gewesen sei. Wissen Sie, es gibt Momente, bei denen es darauf ankommt, klinische Sprache über Sex und Körper nutzen zu können, aber Pornos sind da nicht geeignet.

Zum Beispiel: »Er steckt seinen Penis in den Mund des anderen Mannes. Der zweite Mann saugt 42 Sekunden lang am Penis des ersten Mannes.« Das wird nicht viele Leute dazu bringen, zu kommen. Also ja, Pornhub hat mir Sprachrichtlinien angeboten, und ich musste auf jeden Fall beiläufige Sprache, sexy Sprache, pornografische Sprache verwenden. Es war eine der wenigen Zeiten in meinem Leben, in denen ich nach Synonymen für feuchte Muschi oder dicken Schwanz suchte.

Aber Sie hatten keinen Styleguide, der Ihnen zum Beispiel sagte, ob Sie statt der Vagina eine Muschi oder eine Fotze verwenden sollten? Ich merke, dass Ihre Videos dazu neigen, das zu vermischen.

In den Videos geht es nicht um mich und mein Schreiben und mein Ego, also sollte die Sprache in diesem Sinne einfach und direkt sein. Ein wenig Wiederholung ist nicht das Schlimmste auf der Welt. Es war nicht der Zeitpunkt, an dem ich eine Million verschiedener blumiger Adjektive hervorholen oder mich mit Proustscher Sprachgewalt beschäftigen musste. Es war wichtig, sich kurz zu fassen. Gleichzeitig kann es allerdings ablenken, wenn man immer wieder dasselbe Wort verwendet. Ich habe versucht, die richtige Menge an Abwechslung zu finden.

Erinnern Sie sich an das erste Video, das Sie transkribiert haben?

Ich erinnere mich genau, weil Pornhub mich einen Test machen ließ, um sicherzustellen, dass ich für die Arbeit geeignet bin. Ich erinnere mich, dass es ein Duschszenario zwischen Stiefbruder und Stiefschwester war.

Es war mir nicht einmal in den Sinn gekommen, dass es einen Test für so etwas geben würde.

Oh, ja, es war ein wichtiges Projekt für Pornhub, da es um Zugänglichkeit und Probleme Behinderter ging.

Wie sind Sie an das erste Video herangegangen?

Die ersten Minuten … nun, es brauchte natürlich eine gewisse Eingewöhnungsphase, denn ich war mir nicht sicher, wie ich am besten anfangen sollte. Aber ich habe schnell gelernt. Man muss die richtige Sprache und die richtige Stimmung finden, um dem Genre gerecht zu werden.

Ich habe anfangs ein bisschen zu viel geschrieben, also musste ich lernen, mich ein bisschen zurückzuhalten. In den ersten paar Drehbüchern, die ich schrieb, beschrieb ich einige der Töne, weil es mir in Fleisch und Blut überging zu erklären: »Er schlägt vor, dass sie X machen.« Aber mir wurde gesagt, dass ich nichts behandeln musste, was man hören könne, weil es überflüssig sei, also habe ich diese Gewohnheit schnell abgelegt. Es geht nur darum, was man sehen kann.

Wie oft haben Sie sich die einzelnen Videos angesehen, während Sie das Drehbuch geschrieben haben?

Das hing vom Video ab, aber die kurze Antwort lautet: sehr oft. Wirklich sehr oft. Manche Videos waren einfacher, aber verschiedene Faktoren können einen großen Einfluss darauf haben, wie schwierig die Arbeit ist, wie Sie vielleicht erwarten: die Anzahl der Akteure in einem bestimmten Video, die Wiederholung der Handlungen, die Vielfalt der verschiedenen sexuellen Handlungen, an denen sie beteiligt sind, sogar einige Aspekte der physischen Umgebung, in der sie sich befinden. Je einfacher es war, desto seltener musste ich mir das Video ansehen.

Das gesamte Interview finden Sie in englischer Sprache hier.

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